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Chatscha da Capricorns

König der Alpen, so wird der Steinbock oft genannt.
Kein Tier steht mehr für Gipfel, Gletscher und Fels.
Und kein Tier ist bei Jägern wohl begehrter als der Steinbock.

Mara Truog hat den Bündner Jäger Flavio 2010 das erste Mal bei einer Steinbockjagd begleitet. Nach über 10 Jahren, war sie bei seiner zweiten Jagd in den Bündner Bergen unterwegs.

Das es 10 Jahre gedauert hat ist kein Zufall. Denn als Jäger darf man sich nur alle 10 Jahre zur Steinwildjagd anmelden. Und auch dann entscheidet ein Los darüber, wer mit der Flinte losziehen darf.

Überhaupt ist den Jägern viel auferlegt, wenn sie den König jagen wollen: ca. 2 Jahre für die Jagdprüfung, mindestens 5 Hochjagden, ein intensiver Vorbereitungskurs, blosse 2 Wochen Zeit für die eigentlich Jagd und viel Geduld und Ungewissheit wenn es endlich ins Gelände geht.

Die Jäger sind meist in Gruppen unterwegs, aber nicht alle sind auf der Jagd. Drei Jäger sind als Helfer dabei. Nur Flavio und ein anderer Jäger ziehen mit dem Ziel los, einen Bock zu schiessen.

Welches Tier ein Jäger schiessen darf, entscheidet das Alter. Die Jahrgänge der Jäger und Jägerinnen bestimmt, wie alt die Böcke sein dürfen, die sie jagen können. Wer einen zu alten Bock für seinen Jahrgang schiesst, wird gebüsst und der Bock vom Wildhüter konfisziert.

Die Jagd beginnt jeweils früh morgens im Tal des Jagdgebiets. Von dort aus werden Steinbockherden gesichtet und festgestellt, ob für den Jäger ein passendes Tier dabei ist. Das Gebiet der Jagd, wie an diesem Tag der Umbrailpass, wird den Jägern vorher zugewiesen.

Über den Tag hinweg, nähern sich die Jäger dem Steinbock. Dabei wird mehrmals mit Feldstecher und Zielfernrohr geprüft, ob der ausgesuchte Bock nicht doch zu alt ist. Die Bestimmung des Alters über die Distanz ist allerdings nicht einfach.

Der zweite Jäger der Gruppe stellt einen 8 oder 9 Jahre alten Bock. Um das bis zu 70 Kilogramm schwere Tier nach dem Abschuss ins Tal zu bringen, dafür sind die Helfer auch mit dabei.

Was für viele unverständlich wirkt, ist für die Jäger im Engadin Teil ihrer Tradition. Wie die meisten Jäger, sind sie eng mit ihrer Umwelt verbunden. Und auch wenn am Ende die Trophäe stolz gezeigt wird, ist ihre Jagd vom Respekt vor den Tieren geprägt.